
Dokumentieren als künstlerischer Akt
Dokumentieren als künstlerischer Akt
Deutsche Übersetzung in Bearbeitung
Für mich als Malerin ist das Dokumentieren ein künstlerischer Akt, ein Moment des Eintauchens und Innehaltens.
Jeder Ort wird dabei mit großer Aufmerksamkeit betrachtet. Vor Ort beobachte ich, was der alltägliche Blick übersieht: Unregelmäßigkeiten, Abweichungen, Veränderungen, feine Spuren, die Zeit und Nutzung hinterlassen haben. Mein durch die Architektur geschulter Blick hilft mir, diese Hinweise zu lesen, ihre Logik, ihre Beziehungen und ihre Notwendigkeit zu verstehen.
Zeichnen, fotografieren, erfassen, Notizen machen: Diese Praktiken sind für mich eine Art, in die Materie einzutauchen. Es geht nicht nur darum, etwas festzuhalten, sondern es zu entschlüsseln. Wie beim architektonischen Lesen wird jede Spur Teil eines größeren Zusammenhangs, zu einem Hinweis auf die Geschichte des Ortes.
Diese Arbeitsweise hat ihren Ursprung in der Bestandsaufnahme des Hamburger Bahnhofs in Berlin, die ich im Büro Kampmann & Weström durchführte. Dort lernte ich, ein Gebäude als ein Gefüge von Spuren zu betrachten — Risse, Schichten, Veränderungen — und seine innere Logik nachzuvollziehen. Diese Schule des Sehens prägt meine Praxis bis heute.
Sie setzte sich in Projekten wie Monsieur Tulasnes Schuppen fort, bei dem eine genaue Aufnahme, das Erfassen und Nummerieren der einzelnen Bauteile einen originalgetreuen Wiederaufbau ermöglichten. Dokumentieren wurde hier zu einer Möglichkeit, einen Gedankengang nachzuvollziehen und in die Welt desjenigen einzutauchen, der dieses Bauwerk geschaffen hatte.
In diesem Sinne hält Dokumentieren nicht fest. Es öffnet. Es verschiebt den Blick, macht unsichtbare Geschichten sichtbar und zeigt, was in den Oberflächen im Stillen wirkt. Diese dokumentarische Arbeit nährt anschließend meine abstrakte Malerei, in der jedes Bild zu einer sinnlichen Erinnerung an einen Ort wird.







