top of page

Die Geste und die Materie

Die Geste und die Materie

Deutsche Übersetzung in Bearbeitung

Die Arbeit im Atelier führt meine Aufmerksamkeit für Oberflächen aus meinen Streifzügen weiter.


Ich arbeite zu Hause. Regelmäßig nutze ich jedoch für zwei bis drei Wochen ein Atelier in Berlin.


Diese Residenze enden manchmal mit einer Ausstellung. Sie ermöglichen eine intensive Vertiefung und eine kontinuierliche Konzentration.

Ich richte das Atelier immer auf dieselbe Weise ein.


Im Zentrum steht ein großer Tisch. Darauf bearbeite ich die Bilder in horizontaler Lage.

Rundherum liegen die Werkzeuge: Bürsten, Rakel, Spachtel und Stechbeitel.

Jedes Werkzeug eröffnet einen anderen Zugang zur Materie.


Der Rakel legt Lichtsplitter in der noch feuchten Farbe frei.

Die Bürste strukturiert die Oberfläche.

Der Spachtel zieht und verschiebt die Farbe. Dabei legt er darunterliegende Schichten frei.


Ich arbeite schnell, sehr schnell.

Diese Geschwindigkeit ist weder Improvisation noch Übereilung. Sie dient dazu, die Spannung aufrechtzuerhalten.

Durch meine Ausbildung als Architektin kenne ich die lange Dauer eines Projekts, seine schrittweise Entwicklung und die aufeinanderfolgenden Anpassungen.

In der Malerei suche ich einen direkten Zugang zur Materie, ohne übermäßige Vermittlung.


Schnelles Arbeiten verlangt eine unmittelbare Entscheidung: weitermachen oder aufhören.

Bricht der Rhythmus ab, erstarrt die Oberfläche und wird zur Fassade.


Es geht darum, den Moment zu spüren, in dem die Spannungen ins Gleichgewicht kommen und die Oberfläche Bestand hat.


In meiner Nähe liegen Fotografien aus vielen Jahren: Fragmente von Mauern, Gebrauchsspuren und Überlagerungen von Materialien.


Ich kopiere sie nicht.

Sie geben dem Arbeitsprozess eine Richtung.


Die Malerei entsteht im Dialog zwischen visuellem Gedächtnis und körperlicher Auseinandersetzung mit der Materie.


Die Geschwindigkeit verhindert jede Illustration.

Sie öffnet einen Raum für die Verwandlung der Oberfläche.

bottom of page